Schehe

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Sheherazdade razade

Es war einmal…
Geschichten aus Tausend­und­einer Nacht.
Scheherazade? Wer war das nochmal?

„Sesam öffne Dich“: Dunkel erinnern wir uns an Geschichten aus unserer Kindheit. Orientalische Märchen. Gefährliche Abenteuer. Exotische Kulturen, fremd, geheimnisvoll und doch seltsam vertraut.

Ali Baba fällt uns ein, der in einer dunklen Höhle einen unendlich kostbaren Schatz gefunden hat. Wir denken an Sindbad den Seefahrer, an Aladdin mit der Wunderlampe, den fliegenden Teppich, den Geist aus der Flasche…

Das Bindeglied all‘ dieser Erzählungen ist Scheherazade, die wohl berühmteste Geschichtenerzählerin der Welt.

Der Legende nach hat Scheherazade ihrem Sultan Nacht für Nacht ein Märchen erzählt. Tausend Nächte lang. Aus der ultimativen Not heraus, auch am nächsten Morgen den Sonnenaufgang wieder sehen zu können. Und ihn auch zu überleben!

Die Geschichten aus 1001 Nacht beginnen am Hof eines reichen und mächtigen persischen Herrschers. Der eine Frau hatte – neben mehreren Konkubinen wohlgemerkt, das war damals so üblich –, die er über alles liebte. Weit mehr noch als seine Nebenfrauen.

Eines Tages ritt er los, um seinen Bruder zu besuchen. Wenige Stunden nach seiner Abreise fällt ihm ein, dass er das kostbare Gastgeschenk vergessen hat. Er dreht also um. Und ertappt bei der Ankunft im Palast seine geliebte Ehefrau in lustvoller Zweisamkeit mit einem seiner Sklaven im Bett. Ich glaube, es war der Koch. Tut aber eigentlich auch nichts zur Sache.

Die beiden Schuldigen werden jedenfalls kurzerhand zur Rechenschaft gezogen. Was damals nicht mehr und nicht weniger bedeutete, als dass beide den Kopf verloren. Geknickt und traurig (nicht wegen des Todes seiner Frau, sondern wegen ihrer Untreue) reitet der Sultan erneut von dannen. Und findet beim Besuch seines Bruders heraus, dass dessen Frau ihren Gemahl ebenfalls betrügt.

Angesichts dieser geballten weiblichen Missachtung aller damals geltenden gesellschaftlichen Regeln ist der Herrscher fassungslos. Wütend. Verbittert. Tief in seinem Ego gekränkt. Und trifft deshalb eine fatale Entscheidung: Nach der Rückkehr in den eigenen Palast beauftragt er seinen Wesir, ihm jeden Tag eine neue Jungfrau aus dem Reich zu bringen. Die heiratet er abends, vergnügt sich mit ihr bis zum Morgengrauen und lässt sie dann enthaupten. Damit ihn niemals wieder eine Frau betrügen kann. Das klingt zynisch, ist es auch, und ich lasse das jetzt einfach mal so stehen.

Dieses mörderische Treiben des Sultans währt mehrere Jahre. Bis dem Reich irgendwann so langsam die Jungfrauen ausgehen. Denn die sind entweder bereits tot, haben sich in benachbarte Reiche geflüchtet oder werden von ihren Eltern versteckt. So wie auch die Töchter des Wesirs. Die älteste davon heißt Scheherazade. Und diese junge, verführerische, listige und kluge Frau hat einen Plan: Sie möchte die grausamen Morde beenden.

Als Scheherazade ihrem Vater vorschlägt, sie mit dem Sultan zu verheiraten, ist der Wesir natürlich vollkommen entsetzt und lehnt diese Bitte zunächst kategorisch ab. Hat aber am Ende dann doch keine Wahl, wie viele Väter, wenn ihre Töchter sich einmal etwas in den Kopf gesetzt haben. Also gibt er dem Sultan schließlich schweren Herzens und mit großer Angst seine älteste Tochter zur Frau.

Die erste Nacht der legendären tausend Nächte beginnt. Nach den ersten vergnüglichen Stunden, auf die ich an dieser Stelle aus nachvollziehbaren Gründen der Diskretion nicht näher eingehen möchte, beginnt Scheherazade, dem Schah die Geschichte vom Kaufmann und dem Geist zu erzählen. Und genau in dem Moment, in dem der Dschinn das Schwert hebt, um den Kaufmann zu enthaupten, erscheint die Sonne am Horizont.

Nun steckt der Sultan in der Zwickmühle. Denn er kann die Fortsetzung der Geschichte kaum erwarten, die wegen der anstehenden dringenden Tagesgeschäfte jedoch auf den kommenden Abend verschoben werden muss. Ein erzählerischer Kniff, den wir heute „Cliffhanger“ nennen, hat Scheherazade also erst einmal das Leben gerettet. Und wird es noch weitere neunhundertneunundneunzig Nächte lang tun.

Während dieser tausend Nächte schenkt Scheherazade dem Sultan insgesamt drei Kinder. Wie sie das getan und den Herrscher gleichzeitig mit ihren Erzählungen bei der Stange gehalten hat, entzieht sich unserer Kenntnis. (Und interessiert wahrscheinlich auch nur die weibliche Leserschaft.)

In der tausendundersten Nacht erzählt Scheherazade dem Sultan jedoch keine Geschichte mehr. Sondern sie bittet ihn demütig darum, er möge ihr Leben verschonen, damit ihre Söhne nicht zu mutterlosen Waisen werden. Eine Bitte, die der Schah ihr gewährt.

Mit Freuden sogar. Schließlich hat sie ihm nicht nur wunderbare Geschichten geschenkt und wichtige Stammhalter geboren, sie hat ihm auch die Verbitterung genommen und den Glauben an die Treue der Frauen zurückgegeben. Weswegen der Sultan sie dann auch zu seiner einzigen Frau gemacht hat. So lautet jedenfalls die Legende.

Postscript: Das früheste erhaltene Manuskript der Geschichten aus 1001 Nacht stammt aus dem 9. Jahrhundert. Entdeckt wurde es 1948 in Syrien. Wahrscheinlich haben daran mehr als tausendundein Märchenerzähler geschrieben, genau weiß man das aber nicht. Fest steht, dass die exotischen Geschichten aus 1001 Nacht im 18. Jahrhundert Europa erobert haben.